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Immer schön schauen
Eisskulptur, Wachsrelief, Lichtballett – kleine Markierungen
oder Setzungen im Raum werden auf den Fotografien von
Andrea Sohler zu pointierten minimalistischen Reportagen des
Alltäglichen, die eine spröde Poesie anlaufen lassen. Einfache
Beobachtungen eines ganz bestimmten Materialverhaltens
und/oder Lichtverhältnisses zum Beispiel bringen so kalkuliert
bildhauerische oder malerisch motiviert wirkende Setzungen
hervor – oder umgekehrt...
So wird der abgebrochene Doppeleiszapfen, der seine Form
Durch eine Regenrinne erhalten hat, auf der Fotografie zu einem
außergewöhnlichen Torso. So klebt ein Teelicht quasi kopfüber
an der Wand in seinem eigenen getrockneten Wachs – aufs
delikateste von seitlich oben beleuchtet und erinnert damit, in
Verbindung mit dem Titel der Fotografie, an eine seltsame, doch heitere
abstrakte Elfenbeinschnitzerei, die von einer Aktion zu berichten
scheint. Und so konkurrieren die kleinen Lichtreflektionen – Sind
es Morsezeichen? Ist es ein Sternbild mit kleinen schwarzen
Löchern? – auf der Raufaser mit den banalen Spuren des Wohnens
und schaffen eine minimalistische Zeichnung.
Dokumentarisch werden die Fundstücke aus der Umwelt, Momente
aus Raum und Außenraum, vom Objektiv der Künstlerin
eingefangen, unaufgeregt der substantielle Tatbestand gebannt
und durch ungewöhnliche Perspektive etwa oder einen fokussie-
renden Ausschnitt verfremdet. Eine Prise Melancholie sowie Heiter-
keit klingen bei angenehmem Understatement an.
Ulrike Rathjen | Kunsthistorikerin
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